Die Geschichte und Tradition der Namensgebung in Thüringen

Fester Bestandteil weltlicher Feierkultur in Thüringen ist neben der Jugendweihe auch die Namensgebung. Wir haben uns bewusst für diesen Begriff entschieden, nachdem zu Beginn der 90er Jahre mit der Konzipierung und würdigen Gestaltung einer Lebensabschnittsfeier für die jüngsten Erdenbürger auf entsprechende Nachfragen von Familien reagiert wurde. Damit verbunden wurde die Namensgebung als fester Bestandteil der Tätigkeit freier Träger als weiteres Arbeitsfeld für die Mitarbeiter und Mitglieder des Landesverbandes aufgenommen und in der Satzung verankert. Inzwischen haben die ersten Teilnehmer einer Namensgebung auch ihre Jugendweihefeier erlebt.

Nach dem Landesverband Sachsen, der bereits 1990 in diesem Sinne die erste Namensweihe durchführte, war Jugendweihe Thüringen e. V. der zweite Landesverband, der sich dieses Aufnahmerituals in die menschliche Gemeinschaft annahm, mit dem die jüngsten Erdenbürger ausdrücklich auf dieser Welt willkommen geheißen werden und mit den Paten Wegbegleiter für den Zug des Lebens erhalten.

Die ersten Namensgebungen fanden 1991 unter dem Dach des Thüringer Freidenkerverbandes statt. Hier gab es die ersten Anfragen und Konzepte für ein Ritual mit Tradition und Zukunft, das sich auf seine humanistischen Wurzeln besann. So war es folgerichtig, dass die ersten Namensgebungen in historischen Hochburgen des Freidenkertums, in Gotha, Eisenach und Erfurt, stattfanden, durchgeführt von engagierten Frauen mit Doppelmitgliedschaft in beiden Verbänden: dem DFV Thüringen und bei Jugendweihe Thüringen e. V. Ablauf und Programm waren individuell geprägt und die Urkunden für die Kinder und Paten „Handarbeit“.

Das Interesse und der Bedarf wuchsen ab 1993 auch in anderen Regionen. Folglich widmeten wir uns im Jugendweiheverein dem Thema und gingen bei der Gestaltung der Namensgebung in die Offensive: inhaltliches und künstlerisches Konzept, Anmeldeformulare, Werbung, Teilnehmerbeiträge, Urkunden, Präsente für die Kinder wurden anhand der Erfahrungen der „Pioniere“ der Namensgebung gemeinsam gestaltet oder festgelegt. Diesbezüglich erfahrene Mitarbeiter assistierten in den einzelnen Regionen, um dort zukünftig eigenständig und flächendeckend Namensgebungen durchführen zu können.

Der regelmäßige Austausch, die Weitergabe von Erfahrungen, die Gründung einer Arbeitsgruppe „Namensgebung“, der Austausch von Erfahrungen mit anderen Landesverbänden, die Präsentation auf der Messe „Hochzeit und Feste“ in Erfurt haben die Namensgebung in Thüringen auf ein ansprechendes Niveau und zu wachsendem Zuspruch gebracht. Viele der jungen Eltern haben bei uns schon die Jugendweihe erhalten und einige der Kinder sind bereits so groß, dass sie selbst an der Jugendweihe teilnahmen.

Babyfüße

Foto: Mandy Kretschel / pixelio.de